Liebe & Beziehungen in Korea – eine Südkoreanerin erzählt

Koreaner lieben  vielerlei Hinsicht anderes als Menschen in westlichen Ländern. Sie lernen sich auf andere Art und Weise kennen, bei der Partnerwahl spielen verschiedenste Faktoren eine Rolle und auch der Einfluss der Eltern darf nicht unterschätzt werden. Aber was genau macht eine Beziehung in Südkorea aus? Wie verlaufen Dates mit Koreanern? Auf was sollte man achten, wenn man einen Koreaner oder einer Koreanerin kennenlernen möchte? Die Co-Autorin So von chingufreunde gibt einen Einblick in die koreanische Liebeskultur.

Liebe und Beziehungen in Südkorea

Koreanische Liebes-Beziehungen unterscheiden sich von Beziehungen in westlichen Ländern. Fangen wir beim Kennenlernen an – wie gehen Koreaner hier vor?

S: Das Kennenlernen ist nicht so anders im Vergleich zu Deutschland. Ich würde sagen, dass sich die meistens Koreaner über soziale Kontakte wie Freunde oder Kommilitonen kennenlernen. Dieser Weg wird von den meisten Südkoreanern bevorzugt, da er sich am natürlichsten anfühlt.

Die zweitbeliebteste Variante ist das sogenannte „Sogeting“, da man hier das Netzwerk der Freunde nutzt, um verkuppelt zu werden. „Sogeting“ ist etwas lockerer, da es sich zwar um ein Blind-Date handelt, man aber einen gemeinsamen Bekannten hat.

Kannst du mehr über Sogeting erzählen? Ist es sehr gewöhnlich in Korea?

S: Ja, viele Südkoreaner probieren es gerne mit Sogeting, um einen Partner kennenzulernen. Wenn man Single ist und gerne eine Beziehung haben möchte, kann man einen Freund fragen, ob er ein Blind-Date mit einem potentiellen Partner bzw. einer möglichen Partnerin einfädeln kann. Andersherum ist es auch sehr üblich, dass bspw. zwei Freunde untereinander für zwei andere Freunde ein Blind Date organisieren, nach dem Motto „mein Kumpel und deine Freundin sind beide Singles und würden doch gut zusammenpassen, lass uns alle gemeinsam treffen“.  Die beiden Bekannten empfinden das Sogeting als nicht so druckvoll und können sich z.B. während eines gemeinsamen Essen in der 4er Runde langsam abscannen und kennenlernen. Wenn von beiden Seiten aus Interesse besteht, können sie ihre Kontakte austauschen und sich das nächste Mal alleine treffen.

Wie sieht es mit Partnervermittlungsagenturen in Südkorea aus? Sind diese in Südkorea populär?

S: Auch Matching-Agenturen sind in Korea nichts Ungewöhnliches, allerdings lassen diese sich nicht mit deutschen Partnervermittlungsagenturen vergleichen. Mögliche Partner für eine Beziehung werden hier anhang eines strengen Scoring-Modells gematched. Kriterien sind Faktoren wie Job, Einkommen, Attraktivität und gesundheitliche Verfassung. Die Agenturen versprechen ihren Kunden, Partner vorzuschlagen, die eine ähnliche oder höhere Punktzahl beim Scoring wie sie selbst erreicht haben.

Partnervermittlungsagenturen werden in Südkorea besonders von Leuten genutzt, die auf der Suche nach einem Ehepartner sind. Zielgruppe sind meist Personen aus einer höheren sozialen Schicht (z.B. Anwälte, Ärzte oder wohlhabende Leute), oder Personen die Schwierigkeiten haben, Leute kennenzulernen. Matching-Agenturen sind eher etwas für die ältere Generation wie die meiner Eltern. Diese haben diese Art der Dienstleistung gewählt, da Ehen früher noch eher als Vertrag zwischen Familien angesehen wurden und traditionelle Werte noch stärker zählten. In der Vergangenheit gab es in Korea auch nicht so viele Möglichkeiten, jemanden kennenzulernen wie heute.

Heute gelten Matching-Agenturen und das Kennenlernen anhand eines Scoring-Modells unter der jungen Generation als etwas Uncooles, da es zu sehr auf das Ziel „Heiraten“ ausgelegt ist und nur oberflächliche Faktoren berücksichtigt. Die jüngere Generation sieht diese Art des Kennenlernens  als zu unromantisch und künstlich an.

Wo gehen Koreaner beim ersten Date hin? Welche generellen Empfehlungen gibt es für das Daten in Korea?

S: In Korea gibt es viele nette Restaurants, Bars und Cafés. Im Internet finden sich zahlreiche Informationen darüber, welche Lokalitäten sich am besten für das erste Date eignen – die Koreaner informieren sich also vor einem ersten Date auf entsprechenden Seiten darüber.

Für das erste Date gibt es in Korea keine allgemeingültigen Regeln – aber verschiedene Möglichkeiten. Normalerweise geht man zusammen etwas essen oder trinken (natürlich keinen starken Alkohol). Viele Paare unternehmen auch etwas Kulturelles und gehen z.B. in ein Kino oder in ein Musical. Traditionell zahlte in Korea der Mann die Rechnung beim ersten Date. Ich würde sagen, dass dies heute auch noch so ist. Oft wird es so geregelt, dass der Mann das Essen zahlt und die Frau im Anschluss noch einen kleinen Snack oder einen Kaffee. Heute ist es oft auch so, dass der Mann für das Kulturelle zahlt (also z.B. den Kinobesuch) und die Frau im Anschluss die Kosten für das Essen übernimmt. Insgesamt teilen sich die Kosten dann fair auf.

Es herrscht in Südkorea heute oft auch noch das Denken, dass der Mann die Frau beim ersten Date beeindrucken muss und z.B. ein großes Essen bezahlen sollte. Dies wird aber immer häufiger bemängelt, da es nicht mehr dem Zeitgeist entspricht und Frauen seltener finanziell schlechter gestellt sind als Männer. Der Gleichheitsgedanke hat in Korea in der vergangenen Zeit immer mehr zugenommen, so dass mehr Männer und Frauen die Rechnungen teilen möchten, was ich persönlich als eine gute Chance für beide sehe.

Ich habe gelesen, dass Koreaner oft bereits nach dem zweiten Treffen beschließen, eine Beziehung einzugehen. In Deutschland würde man dies als einen sehr frühen Zeitpunkt betrachten. Falls das wahr ist, warum ist es so?

S: Nach dem zweiten Date eine Beziehung einzugehen(offiziell Freundin und Freund zu sein) ist in Südkorea in der Tat nichts Außergewöhnliches. Um dies Außenstehenden erklären zu können, muss man den Unterschied zwischen Beziehungen in Deutschland und in Korea verstehen.

In Korea beginnen Beziehungen bereits in einem sehr frühen Stadium des Kennenlernens und der Begriff „Beziehung“ hat in Korea keine so „ernste“ Bedeutung wie etwa in Deutschland. Natürlich steht eine Beziehung auch in Korea für etwas Exklusives zwischen zwei Menschen, allerdings bringt man den Partner mit der Frage „Möchtest du mein Freund/Freundin sein?“ eher zum Ausdruck, dass man die Person auf eine romantische Art und Weise näher kennenlernen möchte. Die Frage bringt also eher einen Willen zum Ausdruck als eine tiefergehende Entscheidung; beiden Partner ist bewusst, dass sie sich trotz „Beziehung“ nach erst wenigen Treffen noch nicht gut kennen und die Beziehung eher etwas „Leichtes“ ist.

Ich denke, dass auch diese Besonderheit der koreanischen Liebeskultur ihre Ursprünge in der Vergangenheit hat und verdeutlichen soll, dass man jemanden näher kennenlernen bzw. körperliche nahe kommen möchte.

Warum denkst du, dass manche Koreaner mehr Druck haben, einen Partner zu finden als Leute in westlichen Ländern?

S: Meiner Ansicht nach liegt der Hauptgrund darin, dass in Südkorea immer noch die Tradition vorherrscht, dass man eine Familie mit Kindern gründen muss. Der Druck kommt nicht nur von der Familie, man bekommt ihn durch die Gesellschaft im Allgemeinen zu spüren. Viele junge Koreaner Ende 20 sind es leid, immer wieder auf das neue gefragt zu werden, wie es denn mit dem Heiraten und Kindern aussieht. Wenn man dem Druck und den ständigen Fragen permanent ausgesetzt ist, denkt man, dass es sich beim Heiraten um eine Pflicht handelt.

Obwohl der Druck zu Heiraten in Südkorea größer ist als in Deutschland, ist es nicht so, dass Koreaner besonders häufig heiraten oder Kinder bekommen. Wenn man einen Blick auf die Heirats- und Geburtenzahl in Südkorea wirft, kann man einen abnehmenden Trend erkennen. Südkorea ist heute einer der geburtenärmsten Länder der Welt.

Der Rückgang an Geburten in Korea hat verschiedene Gründe. Viele Koreaner treffen bewusst die Entscheidung, keine Familie zu gründen, da das Heiraten mit verschiedenen familiären Verpflichtungen einhergeht. Heiraten in Korea bedeutet auch, dass man eine erhebliche Verantwortung für die Eltern des Ehepartners übernimmt. Traditionellerweise drückt eine Hochzeit in Korea aus, dass die Frau Teil der Familie des Ehemannes wird und sich auch um dessen Eltern zu kümmern hat. Selbst heute kommt es noch vor, dass die Ehefrau in das Elternhaus des Mannes zieht und dann gemeinsam mit der Mann und dessen Eltern unter einem Dach lebt. Diese traditionelle Denkweisen und Sitten sind für junge, gebildete Koreanerinnen natürlich sehr unattraktiv.

Darüber hinaus denken viele Koreaner heutzutage, dass es sehr beschwerlich ist, Kinder in Südkorea großzuziehen. Die Erziehung mitsamt den ganzen Ausgaben für Bildung ist sehr teuer und viele Frauen müssen, nachdem sie ein Kind bekommen haben, ihren Job aus traditionellen und praktischen Zwängen aufgeben. Mütter haben es in der koreanischen Arbeitswelt daher schwer, es gibt nur wenige geeignete Stellen. In Korea ist es normalerweise so, dass Mütter die Hauptverantwortung für die Erziehung ihrer Kinder haben. Diese Tatsache lässt viele Frauen verzweifeln und viele junge Koreanerinnen fürchten sich davor, nach der Eheschließung ein unglückliches Leben zu führen.

In Deutschland sprechen wir mit unseren Eltern meist relativ offen über Beziehungen und Dates und nach einer gewissen Zeit stellen wir den Eltern auch die Partnerin oder den Partner vor. Wie verhält es sich in Korea? Werden in Korea Beziehungen vor Eltern verheimlicht und was ist koreanischen Eltern bei der Partnerwahl ihrer Kinder wichtig?

S: Das ist einer der größten Unterschiede zwischen Deutschland und Südkorea – viele Eltern in Südkorea sind bei der Partnerwahl Kindes involviert.

Koreanischen Eltern beurteilen den Freund bzw. die Freundin ihres Kindes häufig hinsichtlich der finanziellen Mittel sowie des familiären Hintergrundes. Ein sicherer Job und Einkommen sind koreanischen Eltern sehr wichtig. Wenn der Partner keinen guten Job hat, sehen koreanische Eltern eine schwere Zukunft auf ihr Kind zukommen.

Bezüglich des familiären Hintergrundes achten koreanischen Eltern nicht nur auf die finanziellen Verhältnisse der andren Familie, sondern auch darauf, ob die Eltern des Partners beispielsweise geschieden sind. In Korea herrscht das Vorurteil, dass es bei Kindern von Geschiedenen wahrscheinlich ist, dass diese sich auch später einmal von ihrem Ehepartner scheiden lassen.  Auch wenn es komisch klingen mag, aber viele Eltern denken auch, dass es für Kinder von Geschiedenen schwierig ist, eine gute und finanziell abgesicherte Familie zu gründen.

Diese Vorurteile sind natürlich überholt, auch weil die Scheidungsrate in Korea selbst sehr hoch ist. Aber viele koreanische Eltern denken nun mal so, wenn es um die Zukunft ihres Kindes geht. Andere Faktoren, die die Eltern beeinflussen, können finanzielle Dinge wie Schulden oder Krankheiten sein.

Aus diesen Gründen kommt es häufig vor, dass koreanische Pärchen sich zwar gegen die Ablehnung des Partners durch die Eltern durchsetzen, aber letztendlich doch nicht gemeinsam glücklich werden und sich am Ende trennen. In Korea ist es aufgrund der Tradition einfach sehr schwierig sich gegen den Willen der Eltern durchzusetzen, auch wenn es um die Liebe geht.

Wie stehen Koreaner und Koreanerinnen eigentlich einer Beziehung mit einer Person aus einem anderen Land gegenüber? Und was denken die Eltern darüber?

S: Eine Beziehung mit einem Ausländer ist in Südkorea heutzutage keine Seltenheit mehr, obwohl besonders ältere Koreaner in ihrem Leben bisher nur sehr wenig Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern hatten. In Korea gibt es nicht viele Ausländer – bei den meisten Fremden, die man auf den Straßen von Seoul sieht, handelt es sich um Touristen. In der Schule oder im Berufsleben trifft man nur selten auf Ausländer. Korea ist anders als z.B. Deutschland eine homogene Gesellschaft. Aus diesen Gründen wären koreanische Eltern natürlich sehr überrascht, wenn ihr Kind ihnen plötzlich jemanden aus einem anderen Land vorstellt.

Tendenziell werden ausländische Partner von den Eltern eher akzeptiert, wenn die Tochter/der Sohn im Ausland lebt oder in der Vergangenheit gelebt hat (Studium/Arbeit) –  es wirkt dann natürlicher bzw. die Beziehung kann eher gerechtfertigt werden. Insgesamt hängt es sehr stark von den jeweiligen Eltern ab, wie auf einen ausländischen Partner reagiert wird. In einem Fall, den ich kenne, haben die Eltern den kanadischen Freund ihrer Tochter ohne Probleme akzeptiert. In einem anderen Fall waren die Eltern geschockt, als ihr Sohn plötzlich eine japanische Freundin hatte. Die ältere koreanische Generation hat oft noch Vorurteile gegenüber Fremden.

Was machen Koreaner, um ihre Chancen beim Dating zu erhöhen?

S: Junge Koreaner und Koreanerinnen achten sehr auf ihr Äußeres. Wenn sie jemanden kennenlernen möchten, tragen sie hübsche Kleidung, machen evtl. eine Diät, treiben Sport oder probieren es mit einer neuen Frisur – also alles, was die Aussehen verbessert. Viele Koreaner sorgen sich sehr darum, dem anderen zu gefallen, wenn sie sich verliebt haben!

Viele Koreaner leben bis zur Hochzeit bei ihren Eltern, wie können sie sich dann während einer Beziehung körperlich näher kommen und ungestört Zeit verbringen?

S: Wenn man nicht alleine wohnt, ist es natürlich nicht so einfach in Südkorea! In Korea gibt es viele sogenannte „Love Hotels“, bei denen sich Pärchen für einige Stunden ein Zimmer mieten können. Diese „Love Hotels“ sind besonders unter jungen Südkoreanern sehr beliebt.

Ist es mittlerweile in Südkorea akzeptiert, dass Pärchen auf der offenen Straße Händchen halten oder sich sogar küssen?

S: Händchen haltende Pärchen gehören mittlerweile zum ganz normalen Straßenbild in Korea, leichte Küsse sind auch okay. Wer es allerdings beim Küssen zu wild angehen lässt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit viele böse Blicke ernten („nehmt euch ein Zimmer!“). Einige ältere Leute könnten das Pärchen auch direkt ansprechen und laut zurechtweisen.  Natürlich sind solche Leute extrem, aber beim Küssen auf der Straße kann es in Korea schnell zu einer unangenehmen Situation kommen.

Wie lange dauert es in Korea normalerweise, bis man heiratet? Und wie lange wartet ein Pärchen für gewöhnlich, bis sie sich für das erste Kind entscheiden?

S: Das ist von Beziehung zu Beziehung unterschiedlich. Es kann sich jeweils nur um einige Monate, aber auch um Jahre handeln.

Was ist deiner Meinung nach das nervigste am Daten in Korea oder in koreanischen Beziehungen?

S: Häufig wird man in einer Beziehung eingeengt: Es wird erwartet, dass man jedes Detail aus dem täglichen Leben mit dem Partner teilt, man wird ständig kontaktiert und die persönlichen Freiräume werden nicht akzeptiert.

Und zum Schluss: Was ist deiner Meinung nach das Beste am Daten in Korea oder in koreanischen Beziehungen? Besonders im Vergleich zu Deutschland?

S: Koreanische Beziehungen sind sehr süß und die Partner kümmern sich sehr umeinander. Das ist die andere Seite von dem, was ich in der vorherigen Antwort beschrieben habe. Koreanischer Partner kümmern sich sehr um den anderen und unterstützen sich so im Alltag. Koreaner sagen offen ihre Bedürfnisse (z.B. Zeit miteinander verbringen) und versuche, den andren zu beeindrucken  und glücklich zu machen.

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