Wenig Babys in Südkorea- Warum möchten immer weniger koreanische Paare Kinder?

Korea in der Nacht

In letzter Zeit habe ich in den koreanischen Nachrichten immer wieder davon gelesen, dass die Geburtenrate in Südkorea sehr niedrig ist.  In letzten Jahren ist die Geburtsrate in Korea sogar weiter gesunken.  Im dritten Quartal 2020 lag die Geburtenrate nur bei nur 0,84. Das ist der niedrigste Stand seit 1981, als die Statistik erstmals veröffentlicht wurde. In diesem Beitrag nenne ich die wichtigsten Gründe.

Natürlich kann dabei die aktuelle Covid-19 Situation in Südkorea eine Rolle spielen. Darüberhinaus gibt es aber noch weitere Gründe, weshalb immer weniger koreanische Paare Kinder möchten. Heute möchte ich über die Gründe für diese Kinderlosigkeit in Korea spreachen (Hinweis: hier verallgemeinere ich die Situation basierend aus verschiedenen Berichten, Analyse  und Meinungen, die ich aus meinem Freundeskreis oft höre)

Warum möchten koreanische Paare weniger Kinder haben? 

Hohe Kosten für die Wohnung

Um ein Kind zu erziehen, benötigt man eine entsprechende Wohnung. Das Mieten oder Kaufen einer Wohnung kann in Korea allerdings sehr teuer werden.

In Korea gibt es ein besonderes System, eine Wohnung zu mieten, welches Jeonse heißt (auf Koreanisch: 전세). Beim Jeonse-System bezahlt man eine sehr hohe Kaution, aber dafür keine Miete. Wenn man auszieht, erhält man die Kaution zurück. Der Vermieter generiert Mietertrag also indem er die Kaution entsprechend anlegt. Wie Deutschland gibt es in Südkorea auch ein Mietsystem, welches auf monatlichen Mietzahlungen basiert. Aber Jeonse ist in Korea üblicher.

Das Problem an dem Jeonse-System ist, dass die Kaution fast so hoch wie ein normaler Kaufpreis ist.  Junge Leute, die bisher nur wenige Jahre gearbeitet haben, verfügen in der Regel über keine so hohen Ersparnisse. Darüber hinaus sind viele junge Leute nach dem Abgang aus der Universität verschuldet, weil die Mehrheit der Universitäten in Korea privat ist. Daher können die meisten jungen Leute sich keine hohe Kaution leisten, es sei denn, sie werden von den Eltern unterstützt.

Aufgrund der Schwierigkeiten beim Mieten einer Wohnung verschieben viele junge Paare das Kinderkriegen oder geben den Traum vom eigenen Nachwuchs ganz auf.

Arbeit nach der Geburt

In den ersten Jahren nach der Geburt gibt es in Korea nicht viele Betreuungsangebote. Das führt dazu, dass in Südkorea nach der Geburt viele Frauen erstmal einige Jahre zu Hause bleiben müssen, um sich um das Kind zu kümmern.

Erst nachdem das Baby ein bestimmtes Alter erreicht hat und es mehr Betreuungsangebote gibt, wie Kita und Kindergarten, sind die Frauen in der Lage, wieder zu arbeiten. Oft ist es für die Frauen aber schwierig, in eine vergleichbare Stelle wie vorher zurückzukehren. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die Jahre, in welchen die Frau aufgrund der Kindererziehung nicht gearbeitet hat, werden von Arbeitsgebern negativ angesehen. Deswegen ist es für Frauen schwierig, wieder eine ähnliche Stelle zu bekommen. Auch es kann sein, dass Firmen nicht ausreichen flexible sind und es für die Frau daher nicht möglich ist, Kindererziehung und Beruf zu vereinbaren.

Diese Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeuten für die Frauen eine hohe Opferbereitschaft. Auch daher zögern mehr und mehre koreanische Frauen, ein Kind zu bekommen.

Hohe Kosten für die Kindererziehung

Ein Kind zu erziehen ist sehr teuer in Korea. Neben den Grundkosten wie Lebensmittel, investieren koreanische Eltern sehr viel in die Ausbildung ihrer Kinder. Viele koreanische Kindern werden außerhalb der normalen Schulen am Nachmittag  an privaten Instituten (Hakwon) unterrichtet, welche sehr teuer sind. Je Hakwon und den Rahmenbedingung, können die Kosten zwischen 100 Euro und 2.000 Euro liegen. Der Unterricht an den privaten Instituten dauert normalerweise bis zum Schulabschluss an, d.h. die Kosten fallen mehrere Jahre lang an. Im Anschluss an die Schulausbildung fallen für die Eltern die Kosten für die das Studium an der Unviersität an. Weil die Mehrheit der Universitäten in Korea privatisiert sind, sind die Gebühren so hoch, dass diese von 2.000 Euro bis 6.000 Euro pro Semester kosten können. 

Ein Kind zu bekommen bedeutet in Korea also auch hohe Kosten. Und diese Kosten können die Eltern für die nächsten 20 Jahre unter finanziellen Druck setzen.  Deswegen danken manche Paare, dass das Leben einfacher ist, wenn man sich gegen Kinder entscheidet und damit den finanziellen Druck vermeidet.

Und jetzt auch noch Corona..

Bereits vor der Corona-Zeit war die Tendenz, dass Ehepaare weniger Kinder bekommen. Die aktuelle Covid-19 Situation wird diesen Trend verstärken. Junge Leute  sindam härtesten von den Covid-Lockdown-Maßnahmen betroffen, da sie diejenigen sind, die häufig in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind oder in besonders von der Wirtschaftskrise gezeichneten Sektoren wie der Gastronomie arbeiten.  Aufgrund der geringeren Perspektive werden vielen Junge Leute ihre grundlegenden Wünsche wie Heiraten oder Kinderkriegen aufschieben.

Fazit

Als junge Koreanerin kann ich den aktuellen Trend gut nachvollziehen, da es mir ähnlich geht. Die aktuelle niedrige Geburtenrate in Korea ist sehr besorgniserregend. Ich wünsche mir mehr politische Maßnahmen, die junge Ehepaaren helfen und wodurch in der Zukunft wieder mehr Kinder in Korea geboren werden.

Wenn ihr zu dem Thema Kommentare oder Anmerkungen habt, schreibt es gerne in die Kommentare. Ich freue mich auf eure Meinung!

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